Moderne Klänge in alten Gemäuern – Duo ZaZa begeisterte in der Klosterkirche Diesdorf

Wendland-net, Ausgabe 08/2026


Die über 800 Jahre alte Klosterkirche in Diesdorf wurde am Sonntagnachmittag zur Bühne für ein Konzert der Sonderklasse. Das Duo Zaza erfüllte den historischen Kirchenraum mit zeitgenössischen Klängen von Saxofon und Orgel. Viele Besucher wollten dieses ungewöhnliche Konzert hören – die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Philipp Standera an der Orgel und Saxofonist Florian Palowski zogen das Publikum von Anfang an in ihren Bann. Der voluminöse Klang der Orgel, gepaart mit kraftvollen Saxofontönen, schuf in dem hohen Raum des romanischen Gebäudes eine ganz eigene Atmosphäre.
Orgel und Saxofon gemeinsam sind ungewöhnlich, Jazzmusik in einer Kirche erst recht. Die beiden Musiker hatten schon zuvor in Musikprojekten zusammengearbeitet. Als sie in Österreich die besondere Klangatmosphäre einer Kirche erlebten, entstand die Idee, ihre Konzerte in sakralen Räumen zu spielen. „Neben Saxofon und Orgel ist der Raum dabei das dritte Instrument“, sagt Philipp Standera. „Es war der wahnsinnig schöne Raumklang und Hall, der uns im Grunde so faszinierte.“
2019 gründeten sie das Duo Zaza und beschlossen, ausschließlich in Kirchen aufzutreten. Eine weitere Besonderheit: Das Publikum kann die Musiker nicht sehen, da sie auf der meist hoch oben hinter den Zuhörern liegenden Orgelempore spielen.
Wie in Diesdorf eindrucksvoll zu erleben war, kann dadurch die atmosphärische Veränderung des Raumes besonders intensiv wahrgenommen werden. Besonders spürbar war dies bei den Improvisationen, in denen eine Handpan mit ihren sphärischen, einem Vibraphon ähnlichen, Klängen zum Einsatz kam. Verschiedene Variationen zu Werken aus Jazz und Pop, gewürzt mit eigenen Improvisationen, machten das Konzert zudem zu einer Reise durch verschiedene Musikstile.
Philipp Standera und Florian Palowski leben in Cottbus und Berlin und reisen für gemeinsame Proben abwechselnd von hier nach da. „Kirchen für unsere Proben zu finden ist kein Problem“, sagt Philipp Standera. „Doch jede Kirche klingt anders. Es ist immer wieder spannend, den Raumklang einer anderen Kirche zu erleben.“
Mit lang anhaltendem Beifall bedankte sich das begeisterte Publikum bei den Musikern für dieses mitreißende Konzert.

Wilde Orgeln

Magazin „lauter“, Ausgabe 10/2023

Wilde Orgeln

Wenn Philipp und Florian musizieren, erleben Zuhörer:innen ein akustisches Abenteuer. Sie füllen als Duo ZaZa nicht etwa konventionelle Locations wie Bars oder Stadthallen, sondern: Kirchen. Zum Einsatz kommen dabei Orgel und Saxophon. Wer denkt, ihre Auftritte wären Rentnerbespaßung, der irrt. Mit ihrem modernen musikalischen Ansatz, der von Jazz und Pop über Filmmusik bis hin zu Bob Marley reicht, begeistern sie Jung und Alt gleichermaßen. Die räumliche und klangliche Wirkung der Gotteshäuser verleiht ihrer Show das gewisse Etwas. Wir fragten nach, wie sie auf diese ungewöhnlichen Ideen kamen, lernten, was eine gute Orgel ausmacht und erfuhren von einer absoluten Traum-Kirche auf Island.

Wie habt ihr euch kennengelernt und seit wann macht ihr zusammen Musik?

Kennengelernt haben wir uns während des Musikstudiums. Wir hatten uns schon am ersten Studientag bestens unterhalten. Das war der Startpunkt für unsere Freundschaft sowie die regelmäßige Zusammenarbeit in unterschiedlichen Musikprojekten während und nach dem Studium.

In welcher Kirche bekamt ihr die Idee, mit Jazz, Pop und Reggae in Gotteshäusern aufzutreten?

Die Erleuchtung dazu kam uns in der kleinen Kirche St. Peter im Rosenthal in Kärnten/ Österreich. Dort waren wir mit Freunden im Rennradurlaub … die Kirche stand direkt neben dem Haus der Freunde, wo wir den Urlaub verbrachten. Sie stand immer offen. Eines Tages gingen wir rein und einer aus der Truppe begann zu singen – andere setzten mit ein … Da kam uns dann die Idee: Es war der wahnsinnig schöne Raumklang und Hall, der uns im Grunde so faszinierte. Wir fragten uns: Wie wird die gemeinsame Musik von Saxophon und Orgel klingen? Wir mussten es ausprobieren …

Wie übt ihr für eure Auftritte, habt ihr zuverlässigen Zugriff auf eine Orgel?

Wir proben sehr regelmäßig und haben dankenswerterweise direkten Zugang zur Klosterkirche in Cottbus. Der dortige Pfarrer Gürtler und die Kantorin Frau Drogan ermöglichen uns das Üben in dieser wunderschönen Kirche. Auch in Frankfurt/Oder können wir regelmäßig in der Gertraudenkirche spielen. Unser Eindruck ist, dass es auch eine große Freude darüber gibt, dass die Orgeln bespielt werden. Denn das Schlimmste für solch ein Instrument ist, wenn es nicht benutzt wird!

Was macht eine gute Orgel aus?

Dass die Intonation sauber ist und alle Register funktionieren und gut klingen. Dass sie eine Tastatur hat, die nicht laut klappert, eine reguläre Größe hat und nicht sehr klein ausfällt. In einer kleinen Dorfkirche haben wir das tatsächlich einmal erlebt, die Tastatur war viel kleiner als üblich, und somit war das Spielen darauf eine echte Herausforderung! Und viele Register ermöglichen es, die Musik klanglich vielfältig zu gestalten!

Wenn ihr zusätzlich zu Saxophon und Orgel ein weiteres Instrument in eure Konzerte einbauen könntet, welches wäre es und warum?

Wir verwenden bei manchen Stücken eine Cajon (spanische Sitztrommel) und bedienen uns auch der sogenannten Bodypercussion. Wir imitieren damit also weitestgehend das Schlagzeug, wenn wir der Aufassung sind, dem Song tue etwas zusätzlicher „Drive“ gut. Melodie- und Harmonieinstrumente wünschen wir uns keine weiteren. Unsere beiden Instrumente zusammen ergeben derart viele klanglichen Möglichkeiten, dass wir viele weitere Jahre brauchen werden, bis wir das alles auch nur ansatzweise ausgeschöpft haben.

Welche Rolle spielt der Glaube an das Christentum für euch als Musiker – und für euch als Menschen?

Kirchen sind für uns Orte des Glaubens, des Rückzugs und der inneren Einkehr. Der christliche Glaube ist unsere Prägung, die wir beide in unseren Familien in Kinder- und Jugendjahren erfahren haben. Die christlichen Werte sind für uns Maßgabe und Orientierung im menschlichen Miteinander. Nun schaffen wir aus dieser Erfahrung heraus neue Verknüpfungen. So gibt es in unserem Programm keine geistlichen Choräle, die sonst in Kirchen gesungen und gespielt werden, aber zum Beispiel Reggaesongs von Bob Marley – der Mann war gläubiger Christ!

Welche Bedeutung steckt hinter eurem Namen?

Als wir auf Konzerttournee waren, blätterten wir in einem alten Buch meines Großvaters Jonny, dort stießen wir auf den Begriff Zaza. Er bedeutet „Oase“ in der Sprache einer kleinen ethnischen Minderheit auf dem afrikanischen Kontinent. Sowohl Klang des Wortes als auch Bedeutung haben uns sofort überzeugt!
Welche Kirche war die bisher schönste, in der ihr spielen durftet und welche weitere steht ganz oben auf euer Bucket List? Wir spielen wirklich überall gern! Jede Kirche hat ihren Reiz, jede Orgel ihren eigenen Klang, jede Kirche ihren einzigartigen Raumklang. Besonders mögen wir Kirchen, die schlicht und bescheiden gestaltet sind.

Welche Kirche war die bisher schönste, in der ihr spielen durftet und welche weitere steht ganz oben auf euer Bucket List?

Sehr gern spielen würden wir in der Hallgrimskirkja auf Island. Die Kirche steht direkt in Reykjavik, ein modernes Kirchengebäude mit einer tollen Orgel! Als ich (Philipp) dort vor 15 Jahren lebte, war ich noch kein Berufsmusiker, verdingte mich als Barista und war Gletscherführer. Nun die Rückkehr, nach so vielen Jahren und der zurückliegenden Professionalisierung – wie schön wäre dort ein Konzert mit ZaZa!

Fotos: Marlies Kross / Farah van Mil